Gö: Antifee Festival ein voller Erfolg

Autonome 08.06.2008 00:51 Themen: Antifa Freiräume Gender Kultur
+++250-300 Menschen demonstrieren am Freitag Abend gegen Sexismus und Nation(alismus)+++Im Anschluss Feiern rund 100 Menschen eine Rave auf dem Uni-Campus+++Mehr als 1000 Menschen feiern am Samstag gegen Sexismus und Nationalismus & beteiligen sich an Workshops zu den unterschiedlichsten Themen+++Programm geht bald zu Ende+++
Freitag 5.6.
Am Freitag Abend ging das Wochenende gut los mit einer kraftvollen Demo gegen Sexismus und Nationalismus. An der Demo beteiligten sich mehr als 250 Menschen. Leider sperrte die Uni-Leitung sich dagegen, den Lautsprecherwagen auf den Campus zu lassen. Deshalb ging die Demo erst Richtig an der Weender Landstraße/Ecke Nikolausberger Weg los. Dieses Verhalten seitens der Uni-Leitung sollte nochmal zur Sprache kommen, denn schließlich ist es für sie noch nie ein problem gewesen öffentliche/politische Veranstaltungen zu genehmigen. Als die Demo losging wirkte es zunächst so, als würde es eine recht überschaubare Tour durch Göttingen geben, die nicht viel Anlaß zum Staunen geben würde. Aber schon bald wurde deutlich, dass die 150 Menschen die losgegangen waren eine gute Außenwirkung hatten. Es schlossen sich immer mehr Leute an, bis die Demo auf die besagte Größe von mehr als 250 Menschen anwuchs.

Mit Sprüchen wie: "Perverse Hybride gegen Patriarchat, gegen Mackerattitüde und gegen diesen Staat" oder: "Gegen Staat und Kapital - Für den Feminismus und zwar radikal" zogen die Teilnehmer_innen durch die gut gefüllte Innenstadt. Vorneweg lief ein FrauenLesbenTransgenderblock, der dynamisch und kraftvoll agierte. Die Demonstrierenden ließen es sich nicht nehmen, trotz des Verbotes von Seiten der Stadtverwaltung, eine Kundgebung am Gänseliesel in der Innenstadt ab zu halten. Diese vor allem mit Jugendlichen gefüllt die zum Teil interessiert zuhörten. Nach dem Gang durch die Fußgänger_innenzonne ging es auf der Straße, wieder in Richtung Campus. Hier kamen gelegentlich Teilnehmer_innen aus der Demo heraus um Deutschlandfahnen von den Autos zu reißen. Diese hatten die Besitzer_innen wohl aus nationalistischen Gründen zur Männerfußball-EM aufgehangen.
Leider wurden rumprollenden Typen, die entlang der Demoroute saßen, nicht auch entsprechend begegnet und deshlab konnten sie - zum Teil ungestört - die Teilnehmer_innen provozieren durch Pfiffe und sexistische Sprüche wie: "Na Süße, wat demonstrierstn gegen?"

Ein martialisches Bullenaufgebot konnte sich Wargel (Polizeipräsident PD Göttingen) trotz massiver Küzungen in der Vergangenheit nicht verkneifen und schickte deshalb 600 Cops auf die Straße. Diese schienen jedoch ziemlich überfordert gewesen zu sein als, nach beendigung der Demo, Teilnehmer_innen einfach weiter demonstrierten und die Weender Landstraße entlang liefen. Nach einigen hundert Metern löste sich diese Gruppe auf. Etwa eine halbe Stunde später tauchten ca. 100 Menschen auf dem Campus der Uni auf und feierten spontan bis um 2 Uhr auf einer Rave gegen Sexismus und Nation(alismus). Hier ließen die Cops sich nicht blicken.

Samstag 6.6.
Trotz einer holprigen und nicht unproblematischen Vorlaufszeit zum Festival, war die Woche vorher und der Tag selbst ein voller Erfolg. Viele besuchten die Vorträge und Workshops die im Zusammenhang mit dem Antifee organisiert worden waren. Auf dem Festival selber feierten mehr als 1000 Menschen. Die Stimmung war die ganze Zeit über gut und es gab wenig Anlaß für die Aktivist_innen vor Ort in den Ablauf einzugreifen. Unterschiedlichste emanzipatorische Zusammenhänge hatten den ganzen Tag über Stände auf dem Gelände aufgebaut an denen sie Vegane HotDogs, Eintopf, Waffeln, Cocktails und Burger verkauften.

Nachdem im letzten Jahr die erste Auflage des Antifee-Festivals organisiert worden war, stand die Organisation in diesem Jahr auf einer harten Probe. Würde sie es schaffen, trotz sehr kurzer Voraufzeit, ein Festival auf die Beine zu stellen, das an nur einem Tag am Erfolg des letzten Jahres anknüpfen konnte? Sie tat es. Sie ist auf Kritik, die im vergangenen Jahr geäußert worden war, eingegangen und hat versucht darüberhinaus den unterschiedlichsten Themenkomplexen einen Raum zu bieten. Alles in Allem war das Festival auch dieses Jahr ein riesen Erfolg, dessen Bedeutung sich schwer messen lässt. Für eine geglückte Intervention in die normalisierte patriarchale Deutschtümelei während der Fußball-Em, haben sowohl die Demo im Vorfeld als auch das Festival selber allemal gesorgt.

Kritik und Anmerkungen:
+++ Leider lief im Vorfeld des Festivals einiges schief was hätte vermieden werden können. An dieser Stelle sollte sich die gesamte radikale Linke Gedanken machen über Formen der solidarischen Auseinandersetzung und einen konstruktiven Umgang miteinander (wieder)entwickeln. Nächstes Jahr wirds besser.

+++ Vielleicht hätte das Zelt für die Antisexistische Ansprechgruppe mehr Licht gebrauchen können. Betroffene können es als äußerst unangenehm emfpinden erst durch eine dunkle, wenig beleuchtete Gegend zu laufen, bevor sie Unterstützung kriegen.

+++ Für die Demo wären sicherlich weniger "intellektuelle" Beiträge nicht schlecht gewesen. Es war eine (kleine) verpasste Chance der Vermittlung.

+++ Für das Festival-Plenum selber wäre eine längere Vorlaufszeit, vor allem im Zusammenhang mit den Tehmen Sexismus und Nation(alismus), sinnvoll gewesen. So musste die meiste inhaltliche Arbeit leider ausgelagert werden, was zu einer - in einigen Punkten - unbefriedigenden/kontroversen Broschüre geführt hat.

Auf ein Antifee 2009!
Für die Assoziation freier Individuen!

P.s. Es haben sich viele Menschen am Deutschlandfahnensammeln und -entsorgen beteiligt.
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Ergänzungen

die fotos...

benni 09.06.2008 - 09:40
sind vom letzten jahr. erste von diesem jahr gibt es hier:  http://mainstage.de/?p=5970

Re: Kritik @egal

redfag 11.06.2008 - 01:57
Sehr richtig "egal", es gibt auch andere! Schön dass du das ansprichst, aber vielleicht vor dem kritisieren erstmal angucken, was mensch kritisiert. Ein kurzer Blick etwa in die Broschüre ( http://www.180-grad.net/download/antifee08-readerin.pdf) wird dir verraten, dass auch Heteronormativität, Zweigeschlechtlichkeit, Heterosexismus, Homo- und Transphobie etc. angesprochen werden. Etwa im Artikel "when a boy meets a girl". Oder in dem Demo-Aufruf. Wärst du auf der Demo gewesen, wären dir mehrere Redebeiträge zu Zweigeschlechtlichkeit, Zwangs-Heterosexualität usw. und das "wir sind schwul, wir sind lesbisch, wir sind Emanzen, wir sind Transen, wir sind Bi..."-Statement, das alle halbe Stunde vom Lauti kam, nicht entgangen. Ebensowenig, wie du in dem Workshop zu Gender-Theorien nicht hättest überhören können, wie im Dekonstruktivismus bzw. der Queer-Theory jegliche sexuelle und geschlechtliche Identität versucht wird zu dekonstruieren, wie die Ausgrenzung von Intersexuellen durch die Zweigeschlechtlichkeit eingeordnet werden kann usw. (übrigens im Artikel "Die Geschlechtermatrix" der Broschüre aus dem letzten Jahr in Kurzform nachzulesen:  http://antifee.de/download/antifee-readerin.pdf)

Also bitte, es ist ja putzig, dass jetzt alle meinen ihre Kritik loswerden müssen. Aber nicht hingehen, nicht zuhören, nichtmal reinlesen und dann aufgrund von Spekulationen drauf los kritisieren, ist schon ein bisschen peinlich. Möglich, dass diese Themen in der Regel verhältnismäßig unterrepräsentiert sind, aber wenn du da drauf hinaus willst, dann bitte ein bisschen fundierter, sonst kann das doch niemand ernst nehmen.

Readerin

180° 11.06.2008 - 03:36
Also, wie schon aus dem obigen Beitrag hervorgeht, ist die Readerin eben nicht aus dem Orga-Plenum heraus entstanden. Die Redaktionsgruppe täte gern wissen, was denn konkret mit "unbefriedigend/kontrovers" im ursprünglichen Artikel gemeint war. Würden uns über Feedback sehr freuen.
Dafür auch gerne die Mail nutzen  NOSPAM.info@180-grad.net

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 3 Kommentare an

Habt ihr gelitten ? — Prolloarsch

fürs nächste mal — MitläuferIn

kritik — egal