Berliner "Volksentscheid" gescheitert

Jan Rolletschek 27.04.2008 20:22 Themen: Ökologie
Heute am Sonntag, den 27. April, fand in Berlin der erste "Volksentscheid" über den Weiterbetrieb des Flughafens Tempelhof statt. Die Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof e.V. (ICAT) hat das dennoch negative Ergebnis dabei im voraus verzerrt.
Dass die von der ICAT vorgetragenen Argumente eher aus Identitätszwang und trivialen Sätzen bestanden, wie: "Tempelhof gibt es eben nur in Berlin." (Den Kiosk am Ostkreuz übrigens auch.), sei dabei dahin gestellt. Sie sind denn auch nicht die Spitze der Verdummung, die sich in dieser Kampagne auf eigentümliche Weise mit einer Mündigkeitsrhetorik paarte. In den amtlichen Informationen zum "Volksentscheid", die an alle Wahlberechtigten ergangen sind, fand sich der geschickt platzierte Satz: "Wichtig - das sollten sie wissen: Wenn Sie nicht wählen gehen, stimmen sie automatisch mit NEIN und somit gegen Tempelhof!". Den Gegner_innen des Beschlusses, wurde durch die fälschliche Gleichsetzung einer Enthaltung mit der Nein-Stimme erklärt, dass es für sie nicht nötig sei, sich die Mühe des Wahlgangs zu machen. Da die Enthaltung einer Nein-Stimme gleich komme, könnten sie ebenso gut zu hause bleiben oder den Sonntag doch lieber gestrichen im Park verbringen. Es handelte sich bei dieser Formulierung nicht um eine Frage der Auslegung, sondern nach schlicht logischen Maßstäben, um eine Fehlinformation, deren amtliche Beglaubigung um so mehr überrascht. Da es erlaubt sein muss, diese Maßstäbe an offizielle Wahlinformationen anzulegen, darf hier von einer Art prophylaktischem Wahlbetrug gesprochen werden. Dass der Entscheid mit nur ca. 21% Ja-Stimmen bei einer Beteiligung von etwa 34%, trotzdem deutlich gescheitert ist, erfreut deshalb um so mehr.
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Ergänzungen

naja

klaus groth 27.04.2008 - 23:12
Diese Sache ist noch lange nicht vom Tisch. Jetzt geht die Vermarktung des Flughafengeländes los und dann wird da was hübsches hingebaut: Büros, Lofts, Designer-Wohnungen. Wie am Potsdamer Platz eben. UNd in den nächsten Jahren steigen die MIeten rings um das Gelände weil es da dann einen lebenswerten Park oder sowas gibt.

Warum demonstriert die linke "Szene" in Kreuzberg gegen Mediaspree und "Investoren" und macht sich zu Tempelhof keine Gedanken?

Nur eine Neinstimme ist immer eine Neinstimme

neinsagerin 28.04.2008 - 09:03
Wenn nicht genug Ja-Stimmen für den Volksentscheid zusammenkommen, wie in diesem Fall, gibt es keinen praktischen Unterschied zwischen Nein-Stimmen und Enthaltungen. Hätten die BefürworterInnen die notwendigen 25% zusammenbekommen, wäre eine Mehrheit von Nein-Stimmen notwendig gewesen, um den Entscheid abzulehnen. In diesem Fall wäre eine Enthaltung kein Nein! Demzufolge ist nur eine Nein-Stimme in jedem Fall eine Nein-Stimme.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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oh — nein

Richtigstellung — lemmi

Nieder mit dem Quorum! — Demokrat

wie immer — topo

Gentrifizierung — Mensch Meier