Bericht von Folter in Moskauer Polizeirevier
Anfang April wurden in Moskau einige Anarchist_innen von der Polizei überfallen und auf der Wache misshandelt.
Hier die Übersetzung eines Berichtes eines der auf der Wache Gefolterten.
Hier die Übersetzung eines Berichtes eines der auf der Wache Gefolterten.
Dies ist die Übersetzung des Berichtes eines der in der Polizeiwache von Sokolniki Gefolterten,
vgl dazu auch:
http://de.indymedia.org/2008/04/212768.shtml und
http://de.indymedia.org/2008/04/213643.shtml
Folter in Sokolniki
-------------------
Als ich an diesem warmen Apriltag aus der Metrostation Sokolniki kam, war das erste was ich erblickte der klare Frühlingshimmel. Ich wusste noch nicht, dass in weniger als einer Stunde Zeuge und Opfer von unmenschlicher Folter werden sollte.
Aber alles der Reihe nach: Beim Verlassen der Station sah ich, wie eine Gruppe aggressiv eingestelleter Wesen in grauer Uniform schmutzige Schimpfwörter brüllte und dabei keuchend und mit roten Gesichtern Jugendliche verprügelte und in den Polizeiwagen zu ziehen versuchte. Ich verstand, dass ich hier Wölfe in Uniform vor mir hatte, und da ich in sozialen Dingen nicht gleichgültig bin, kam ich den Angegriffenen zur Hilfe. Auf meine Frage nach dem Grund für ihr unverschämtes Verhalten gegenüber Leuten, ohne auch nur Dokumente vorzuzeigen, antworteten sie mir in äußerst grober Form. Dann bemerkte ich, wie neben dem Polizeitransporter ein junger Mann mit Schlagstöcken verprügelt wurde, den ich eben noch auf einem Fahrrad gesehen hatte, als er sich lächelnd mit einem Mädchen unterhielt. Ohne viel nachzudenken rannte ich los, um ihn vor den Schlägen zu schützen.
Danach fand ich mich in einem Polizeiwagen wieder, der mich in die Milizstation Sokolniki brachte (inzwischen scheint mir fast der Name SSokolniki angemessener zu sein). Dort angekommen bat ich den Diensthabenden mir ein Protokoll auszustellen und mir den Grund meiner Festnahme zu nennen. Daraufhin wurde ich in besonders rüder Weise beleidigt (ich bitte um Entschuldigung für die vielen juristischen Fachtermini in diesem Text, so ist ja nunmal unsere heutige Rechtssprache, und so klein und begrenzt die Rechte in unserer Gesellschaft sind, so beschränkt ist auch die Sprache für ihre Darstellung. Zu traurig.)
Der Diensthabende meinte mit einem dümmlichen Lächeln auf den Lippen, dass man uns "schon noch umbringen wird", und besonders mich als den, nach seinen Worten, "Verficktesten von allen", Entschuldigung für noch einen "juristischen" Terminus. Ich vergaß zu erwähnen, dass meine Handschellen derart straff angelegt waren, dass meine Hände sich schon blau färbten und ich sie nicht mehr bewegen konnte. Ich bat ganz höflich eines der Wesen in grauer Uniform meine Fessel wenigstens ein bisschen lockerer zu machen, woraufhin sie anfingen, meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen - zuviel Tratsch führt zu kaputtem Schädel, ich weiß; aber in diesem Moment dachte ich Idiot tatsächlich, Folter sei keine Methode des 21. Jahrhunderts, schließlich haben wir doch Fernseher und Werbung! In diesem Moment stürmte ein ebenso bulliger wie verschwitzter Mann herein und füllte den Raum mit seinem Geruch, der an den Gestank einer Müllgrube auf dem Gemüsemarkt erinnerte. Er fing an zu kreischen, dass er heute "einen draufmacht". Danach füllte sich der Raum mit anderen Vertretern dieser Rotte und die gute alte Gewalt nahm ihren Lauf: Sie fingen an, die Leute hart und gezielt zu schlagen, sodass die Schläge nicht zu sehen waren. Aber das war erst der Anfang...
Ich stand mit dem Gesicht zur Wand und wollte mich umdrehen, als ich einen Schmerzensschrei hörte. Mit dem Schrei: "Was drehst du dich um, Kinderficker?!" erhielt ich eine Reihe von Schlägen auf den Kopf und wurde von den Beinen geworfen. Danach fuhren die Grauröcke fort, mich schon am Boden liegend zu verprügeln und dabei vor Freude zu quieken. Unerträglich waren aber nicht die Schmerzen von den Schlägen - unerträglich war es, die Schmerzensschreie der jungen Leute, eher Kinder, hinter mir zu hören. Aber das war immer noch nur der Anfang.
Durch eine Reihe stumpfer Schläge hörte ich eine nicht minder stumpfe Stimme: "Was prügelt ihr den Typen hier, bringt den Wichser in den EPT Raum, da is' mehr Platz!" Darauf griffen mich zwei ohne Uniform und schleppten mich in den "EPT-Raum". Als ich Leute ohne Uniform sah, fing ich an zu sagen, ob aus angeborener Ehrlichkeit oder Dummheit, dass das, was hier vorgeht, ein gigantischer Fehler sei, dass sie das Vertreter des Gesetzes dieses Landes seien, und dass wie sich der Vertreter verhält, so ist auch das wofür er steht. Aber zwei Stücke Roulade antworteten, ich "Kinderschänder, soll zugeben, der Anführer zu sein", woraufhin ich sagte, dass ich nicht verstand, was sie wollten, und die beiden Sadisten an Artikel 51 der Verfassung der Russ. Föd. erinnerte (die das Recht gibt, sich nicht selbst zu belasten - Anm.). Als Antwort darauf wurde ich angeschrien und erhielt eine weitere Serie von Schlägen. Danach nahmen Offiziere meine Tasche weg und fanden, nachdem sie sie rabiat geöffnet hatten, - was wohl? - Bücher!!! Zur Ehrrettung dieser Wesen sortierten sie die Bücher nicht nur nach ihren Farben, sondern konnten sogar ihre Namen lesen: Eines der Bücher hatte ein nach ihren Worten "jüdischer Kondom Schopenhauer" geschrieben, ein anderes Juriy Fjodorowitsch Orlov, Bürgerrechtler und Dissident, wie diese armen Teufel dem Vorwort entnahmen. Zu meiner Schande hatte ich dieses Buch noch nicht ausgelesen, aber seine ganze Masse zusammen mit den gesammelten Gedanken Schopenhauers konnte ich gleich ganz nah fühlen, als sie mir meine geliebten Bücher auf den Schädel schlugen. Nach dieser Prozedur versuchte ich zu erklären, dass Bücher fürs Wissen gut sind, nicht dafür, mit ihnen Hirne herauszuprügeln, doch die Fleischmaschinen ließen mich nicht einmal ausreden und zerrten mich mit Hilfe brutaler Gewalt in den entlegensten Raum dieses Terrariums, wo sie mich auf den Boden warfen. Ich hörte die Schreie der Leute in den anderen Räumen. Ich war im Schock. Beinahe unfähig den Kopf zu heben unter den Schlägen schmerzte mich meine Unfähigkeit, diesen Wahnsinn zu beenden. Irgendwo in einem Nachbarraum , wo sie junge Punks aufschlugen, spielten sie das Lied "Mama Anarchie" von Viktor Zoj. Ein Teufel mit Schulterstücken rief dazu: "Schmeck die süßen Achtziger, du Hure!" Und plötzlich hörte ich nebenan elektrische Entladungen und das wilde Lachen der Bullen. Nebenan folterten sie einen Menschen mit Elektroschocks!
Die erste Entladung bekam ich in den Kopf mit dem Ausruf: "Na, Antifa, magst du kleine Felltiere?", die zweite in den Rücken. Das Knistern von Strom und die Schmerzensschreie der unschuldigen Kinder hallten durch alle Räume der Nazi-Bullen-Station von Sokolniki. Ich hatte schon fast das Bewusstsein verloren, als zwei mich auf die Füße hievten und mir mit dem Ruf "pack's ihm an den Schwanz" lachend den Elektroschocker in die Leiste entluden. Das Gesicht des grau Uniformierten war dabei so voll von Entzücken - nein, es war kein unmenschliches - die Offiziere von dieser Station kann man nicht mehr Menschen nennen. Es war ein Entzücken gar nicht mehr von dieser Welt, ein Entzücken geradewegs aus der Hölle. Er oder eher noch "es" befriedigte sich daran, einen vollkommen Unbekannten zu quälen.
Ich blickte in seine Augen und verlor das Bewusstsein - ich hörte einen Ton... bumm,bumm,bumm...das ist der Faschistenmob, der im Russischen Marsch marschiert....bumm, bumm, bumm...das ist der Schlagknüppel, der die Rest von Leben aus einem unglücklichen, armen Obdachlosen prügelt....das sind die Bomben, die irgendjemandes Haus zerreißen...bumm,bumm,bumm... das ist, das ist...als ich auf dem Betonboden zu mir komme, begreife ich, dass das mein Herz ist, das schlägt und brennt und versucht meinen Brustkorb zu verbrennen (ich hatte mir vor einigen Jahren infolge einer Verletzung eine Herzkrankheit - Pericarditis - zugezogen). Ich spüre, dass mein Herz einen weiteren Stromschlag nicht aushalten wird, die Schreie nicht aushält. Ich merkte, wie sich ein Herzinfarkt anbahnte, und bat die Nazi-Uniformen, einen Notarzt zu rufen. Stattdessen ging die Prügelorgie weiter, aber ich spürte schon nichts mehr.
Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, aber manchmal wünsche ich mir, Weltfrieden zu erleben - ganz ehrlich, ohne Scheiß. So lieg ich also auf dem Betonboden und reagiere gar nicht mehr auf die Schläge und Tritte und die Sadisten fangen an nachzudenken - und merken, sie haben nicht viele Alternativen mich loszuwerden: Entweder sie werfen mich auf irgendeinen Feldweg bei Chertanovo oder sie bringen mich ganz um und schmeißen mich in einen Gully oder aber sie lassen mich ins Krankenhaus schaffen. Die etwa fünzig Zeugen meiner Festnahme waren es wohl, die die Banditen zwangen, mich schließlich ins Krankenhaus zu schicken, nicht ohne die Sanitäter zu informieren, ich sei "ein Junkie mit Überdosis". Zu meinem Erstaunen erhielt ich im Krankhaus keinerlei Hilfe. Halbtot wälzte ich mich auf einer Bank im Wartezimmer, begleitet vom Gelächter einer schrecklichen Krankenschwester, die mir versicherte, dass ich bald den Geist aufgebe. Ich versuchte, den Umsitzenden klar zu machen, dass ich ein Opfer von Polizeigewalt war; aber ich wurde einfach ignoriert. Schließlich konnte ich meine Mutter anrufen, die mich nach Hause holte.
Mein Pass und meine Tasche waren auf der Wache geblieben, und auch meine Maultrommel hatten sie mir vom Hals gerissen und zertreten. Ich hab keinen Zorn auf diese Schweine - durch ihr Verhalten bestrafen sie sich schon selbst, aber ich halte es für meine Pflicht, diese Greuel zu stoppen. Freunde und Bekannte haben mir erzählt, dass so etwas nicht zum ersten Mal passiert in diesem Rattenloch. Und wieviele von solchen Polizeistationen gibt es noch?!
Am nächsten Tag ging meine Mutter zum Chef der Wache, um meinen Pass abzuholen. Nach kurzem Gespräch eröffnete er ihr: "Warum machen Sie sich Sorgen? Am Montag geht Ihr Sohn vor Gericht, bekommt eine kleine Strafe und WEITER WIRD IHM NICHTS PASSIEREN...".
Ich möchte noch hinzufügen, dass es in diesem Staat den 286. Artikel des Strafkodex gibt: "Überschreitung von Befugnissen durch Amtspersonen, d.h. die gewaltmäßige Begehung von Taten durch Amtspersonen, die die Grenzen der Bevollmächtigung klar überschreiten und zu einer tatsächlichen Verletzung der Rechte und gesetzlich garantierten Interessen von Bürgern führen" ; oder gibt es diesen Artikel nicht? Ist es zweimal zwei fünf oder etwa vier?
Mein Artikel soll nicht zu Gewalt oder Hass aufrufen, er ist lediglich eine Darstellung von Fakten darüber, was mit mir passiert ist.
vgl dazu auch:
http://de.indymedia.org/2008/04/212768.shtml und
http://de.indymedia.org/2008/04/213643.shtml Folter in Sokolniki
-------------------
Als ich an diesem warmen Apriltag aus der Metrostation Sokolniki kam, war das erste was ich erblickte der klare Frühlingshimmel. Ich wusste noch nicht, dass in weniger als einer Stunde Zeuge und Opfer von unmenschlicher Folter werden sollte.
Aber alles der Reihe nach: Beim Verlassen der Station sah ich, wie eine Gruppe aggressiv eingestelleter Wesen in grauer Uniform schmutzige Schimpfwörter brüllte und dabei keuchend und mit roten Gesichtern Jugendliche verprügelte und in den Polizeiwagen zu ziehen versuchte. Ich verstand, dass ich hier Wölfe in Uniform vor mir hatte, und da ich in sozialen Dingen nicht gleichgültig bin, kam ich den Angegriffenen zur Hilfe. Auf meine Frage nach dem Grund für ihr unverschämtes Verhalten gegenüber Leuten, ohne auch nur Dokumente vorzuzeigen, antworteten sie mir in äußerst grober Form. Dann bemerkte ich, wie neben dem Polizeitransporter ein junger Mann mit Schlagstöcken verprügelt wurde, den ich eben noch auf einem Fahrrad gesehen hatte, als er sich lächelnd mit einem Mädchen unterhielt. Ohne viel nachzudenken rannte ich los, um ihn vor den Schlägen zu schützen.
Danach fand ich mich in einem Polizeiwagen wieder, der mich in die Milizstation Sokolniki brachte (inzwischen scheint mir fast der Name SSokolniki angemessener zu sein). Dort angekommen bat ich den Diensthabenden mir ein Protokoll auszustellen und mir den Grund meiner Festnahme zu nennen. Daraufhin wurde ich in besonders rüder Weise beleidigt (ich bitte um Entschuldigung für die vielen juristischen Fachtermini in diesem Text, so ist ja nunmal unsere heutige Rechtssprache, und so klein und begrenzt die Rechte in unserer Gesellschaft sind, so beschränkt ist auch die Sprache für ihre Darstellung. Zu traurig.)
Der Diensthabende meinte mit einem dümmlichen Lächeln auf den Lippen, dass man uns "schon noch umbringen wird", und besonders mich als den, nach seinen Worten, "Verficktesten von allen", Entschuldigung für noch einen "juristischen" Terminus. Ich vergaß zu erwähnen, dass meine Handschellen derart straff angelegt waren, dass meine Hände sich schon blau färbten und ich sie nicht mehr bewegen konnte. Ich bat ganz höflich eines der Wesen in grauer Uniform meine Fessel wenigstens ein bisschen lockerer zu machen, woraufhin sie anfingen, meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen - zuviel Tratsch führt zu kaputtem Schädel, ich weiß; aber in diesem Moment dachte ich Idiot tatsächlich, Folter sei keine Methode des 21. Jahrhunderts, schließlich haben wir doch Fernseher und Werbung! In diesem Moment stürmte ein ebenso bulliger wie verschwitzter Mann herein und füllte den Raum mit seinem Geruch, der an den Gestank einer Müllgrube auf dem Gemüsemarkt erinnerte. Er fing an zu kreischen, dass er heute "einen draufmacht". Danach füllte sich der Raum mit anderen Vertretern dieser Rotte und die gute alte Gewalt nahm ihren Lauf: Sie fingen an, die Leute hart und gezielt zu schlagen, sodass die Schläge nicht zu sehen waren. Aber das war erst der Anfang...
Ich stand mit dem Gesicht zur Wand und wollte mich umdrehen, als ich einen Schmerzensschrei hörte. Mit dem Schrei: "Was drehst du dich um, Kinderficker?!" erhielt ich eine Reihe von Schlägen auf den Kopf und wurde von den Beinen geworfen. Danach fuhren die Grauröcke fort, mich schon am Boden liegend zu verprügeln und dabei vor Freude zu quieken. Unerträglich waren aber nicht die Schmerzen von den Schlägen - unerträglich war es, die Schmerzensschreie der jungen Leute, eher Kinder, hinter mir zu hören. Aber das war immer noch nur der Anfang.
Durch eine Reihe stumpfer Schläge hörte ich eine nicht minder stumpfe Stimme: "Was prügelt ihr den Typen hier, bringt den Wichser in den EPT Raum, da is' mehr Platz!" Darauf griffen mich zwei ohne Uniform und schleppten mich in den "EPT-Raum". Als ich Leute ohne Uniform sah, fing ich an zu sagen, ob aus angeborener Ehrlichkeit oder Dummheit, dass das, was hier vorgeht, ein gigantischer Fehler sei, dass sie das Vertreter des Gesetzes dieses Landes seien, und dass wie sich der Vertreter verhält, so ist auch das wofür er steht. Aber zwei Stücke Roulade antworteten, ich "Kinderschänder, soll zugeben, der Anführer zu sein", woraufhin ich sagte, dass ich nicht verstand, was sie wollten, und die beiden Sadisten an Artikel 51 der Verfassung der Russ. Föd. erinnerte (die das Recht gibt, sich nicht selbst zu belasten - Anm.). Als Antwort darauf wurde ich angeschrien und erhielt eine weitere Serie von Schlägen. Danach nahmen Offiziere meine Tasche weg und fanden, nachdem sie sie rabiat geöffnet hatten, - was wohl? - Bücher!!! Zur Ehrrettung dieser Wesen sortierten sie die Bücher nicht nur nach ihren Farben, sondern konnten sogar ihre Namen lesen: Eines der Bücher hatte ein nach ihren Worten "jüdischer Kondom Schopenhauer" geschrieben, ein anderes Juriy Fjodorowitsch Orlov, Bürgerrechtler und Dissident, wie diese armen Teufel dem Vorwort entnahmen. Zu meiner Schande hatte ich dieses Buch noch nicht ausgelesen, aber seine ganze Masse zusammen mit den gesammelten Gedanken Schopenhauers konnte ich gleich ganz nah fühlen, als sie mir meine geliebten Bücher auf den Schädel schlugen. Nach dieser Prozedur versuchte ich zu erklären, dass Bücher fürs Wissen gut sind, nicht dafür, mit ihnen Hirne herauszuprügeln, doch die Fleischmaschinen ließen mich nicht einmal ausreden und zerrten mich mit Hilfe brutaler Gewalt in den entlegensten Raum dieses Terrariums, wo sie mich auf den Boden warfen. Ich hörte die Schreie der Leute in den anderen Räumen. Ich war im Schock. Beinahe unfähig den Kopf zu heben unter den Schlägen schmerzte mich meine Unfähigkeit, diesen Wahnsinn zu beenden. Irgendwo in einem Nachbarraum , wo sie junge Punks aufschlugen, spielten sie das Lied "Mama Anarchie" von Viktor Zoj. Ein Teufel mit Schulterstücken rief dazu: "Schmeck die süßen Achtziger, du Hure!" Und plötzlich hörte ich nebenan elektrische Entladungen und das wilde Lachen der Bullen. Nebenan folterten sie einen Menschen mit Elektroschocks!
Die erste Entladung bekam ich in den Kopf mit dem Ausruf: "Na, Antifa, magst du kleine Felltiere?", die zweite in den Rücken. Das Knistern von Strom und die Schmerzensschreie der unschuldigen Kinder hallten durch alle Räume der Nazi-Bullen-Station von Sokolniki. Ich hatte schon fast das Bewusstsein verloren, als zwei mich auf die Füße hievten und mir mit dem Ruf "pack's ihm an den Schwanz" lachend den Elektroschocker in die Leiste entluden. Das Gesicht des grau Uniformierten war dabei so voll von Entzücken - nein, es war kein unmenschliches - die Offiziere von dieser Station kann man nicht mehr Menschen nennen. Es war ein Entzücken gar nicht mehr von dieser Welt, ein Entzücken geradewegs aus der Hölle. Er oder eher noch "es" befriedigte sich daran, einen vollkommen Unbekannten zu quälen.
Ich blickte in seine Augen und verlor das Bewusstsein - ich hörte einen Ton... bumm,bumm,bumm...das ist der Faschistenmob, der im Russischen Marsch marschiert....bumm, bumm, bumm...das ist der Schlagknüppel, der die Rest von Leben aus einem unglücklichen, armen Obdachlosen prügelt....das sind die Bomben, die irgendjemandes Haus zerreißen...bumm,bumm,bumm... das ist, das ist...als ich auf dem Betonboden zu mir komme, begreife ich, dass das mein Herz ist, das schlägt und brennt und versucht meinen Brustkorb zu verbrennen (ich hatte mir vor einigen Jahren infolge einer Verletzung eine Herzkrankheit - Pericarditis - zugezogen). Ich spüre, dass mein Herz einen weiteren Stromschlag nicht aushalten wird, die Schreie nicht aushält. Ich merkte, wie sich ein Herzinfarkt anbahnte, und bat die Nazi-Uniformen, einen Notarzt zu rufen. Stattdessen ging die Prügelorgie weiter, aber ich spürte schon nichts mehr.
Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, aber manchmal wünsche ich mir, Weltfrieden zu erleben - ganz ehrlich, ohne Scheiß. So lieg ich also auf dem Betonboden und reagiere gar nicht mehr auf die Schläge und Tritte und die Sadisten fangen an nachzudenken - und merken, sie haben nicht viele Alternativen mich loszuwerden: Entweder sie werfen mich auf irgendeinen Feldweg bei Chertanovo oder sie bringen mich ganz um und schmeißen mich in einen Gully oder aber sie lassen mich ins Krankenhaus schaffen. Die etwa fünzig Zeugen meiner Festnahme waren es wohl, die die Banditen zwangen, mich schließlich ins Krankenhaus zu schicken, nicht ohne die Sanitäter zu informieren, ich sei "ein Junkie mit Überdosis". Zu meinem Erstaunen erhielt ich im Krankhaus keinerlei Hilfe. Halbtot wälzte ich mich auf einer Bank im Wartezimmer, begleitet vom Gelächter einer schrecklichen Krankenschwester, die mir versicherte, dass ich bald den Geist aufgebe. Ich versuchte, den Umsitzenden klar zu machen, dass ich ein Opfer von Polizeigewalt war; aber ich wurde einfach ignoriert. Schließlich konnte ich meine Mutter anrufen, die mich nach Hause holte.
Mein Pass und meine Tasche waren auf der Wache geblieben, und auch meine Maultrommel hatten sie mir vom Hals gerissen und zertreten. Ich hab keinen Zorn auf diese Schweine - durch ihr Verhalten bestrafen sie sich schon selbst, aber ich halte es für meine Pflicht, diese Greuel zu stoppen. Freunde und Bekannte haben mir erzählt, dass so etwas nicht zum ersten Mal passiert in diesem Rattenloch. Und wieviele von solchen Polizeistationen gibt es noch?!
Am nächsten Tag ging meine Mutter zum Chef der Wache, um meinen Pass abzuholen. Nach kurzem Gespräch eröffnete er ihr: "Warum machen Sie sich Sorgen? Am Montag geht Ihr Sohn vor Gericht, bekommt eine kleine Strafe und WEITER WIRD IHM NICHTS PASSIEREN...".
Ich möchte noch hinzufügen, dass es in diesem Staat den 286. Artikel des Strafkodex gibt: "Überschreitung von Befugnissen durch Amtspersonen, d.h. die gewaltmäßige Begehung von Taten durch Amtspersonen, die die Grenzen der Bevollmächtigung klar überschreiten und zu einer tatsächlichen Verletzung der Rechte und gesetzlich garantierten Interessen von Bürgern führen" ; oder gibt es diesen Artikel nicht? Ist es zweimal zwei fünf oder etwa vier?
Mein Artikel soll nicht zu Gewalt oder Hass aufrufen, er ist lediglich eine Darstellung von Fakten darüber, was mit mir passiert ist.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen
Quelle vergessen
@naja second
Aber was die Berichterstattung im allgemeinen angeht, siehe
und
was sollte man noch "nachprüfen"?
demo
Hab übrigens mit einem der Betroffenen telefoniert, er selber ist wieder OK, aber einem seiner Kollegen droht jetzt ne hohe Haftstrafe, weil er ein Pfefferspray oder sowas ähnliches dabeihatte und sie ihn bei dieser Folterorgie anscheinend unterschreiben lassen haben, er hätte es gegen die Bullen eingesetzt (auch wenn das nach Videoaufnahmen von dem ganzen Vorfall totaler Quatsch ist, alles, was die Leute gemacht hatten, war, sich an den ersten Verhafteten festzuklammern, um diese illegale Verhaftung zu verhindern). Ist aber im Moment auf freiem Fuß.
Und noch ne Korrektur, es handelte sich nicht um eine Maultrommel, sondern um einen jüdischen Anhänger in Harfenform.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
naja — kann
@naja — Altautonomer