Webbarrieren

saul 19.04.2008 16:51 Themen: Medien Netactivism
Das Internet bietet zwar Möglichkeiten, von denen man früher nicht mal geträumt hat, doch wie kann man sie nutzen und stehen sie allen zur Verfügung?
Das viele Menschen mangels Wissen und Gerät keinen Zugang zum Netz haben, ist bekannt. Doch darum geht es hier nicht. Hier geht es um Barrieren des Zugangs die künstlich errichtet werden. Wen es betrifft? Natürlich die Unterschichtler die schlechte Karten haben das Internet zu nutzen. Im folgenden Text nun konkret.
Was das mit Indymedia zu tun hat? Als Indyuser ist man ebenso von diesen Barrieren betroffen und kann die Möglichkeiten welche die Seite bietet nicht überall uneingeschränkt nutzen.
Der Idealfall, eigener Anschluß, DSL und was noch alles, dann hast uneingeschränkten Zugang und kannst weitgehend alle Möglichkeiten nutzen. Was ist, wenn nicht, welche Wege gibt es dann?
Fangen wir mit der niedrigsten Stufe an.
Unibücherei bietet für Besucher grad mal den eigenen Katalog plus einige ausgewählte Zeitungsseiten. Man kann die FAZ online lesen, weitere Angebote der Seite wie Video stehen dir nicht zur Verfügung. Man kann denen sogar ne Nachricht schicken, falls es ein Kontaktformular gibt. Das ist doch eine recht eingeschränkte Webnutzung.
Die nächste Stufe ist die Stadtbücherei. Hier kann man surfen, sogar kostenlos und da sollt man sich mal nicht beklagen. Hier kann man auf vieles in Netz zurückgreifen, sogar überall reintippen, wo es Interaktive Kontaktfelder gibt, wie Foren, Blogs und Guestbücher. Den Browser kann man sich freilich nicht aussuchen und unterliegt den Browsereinschränkungen. Sogar mailen kann man, freilich beschränkt sich die Teilnahme auf Text, Daten vom USB Stick hochladen funkt nicht. Dann gibt es noch einen Jugendschutzfilter und der nervt echt. Der sperrt Seiten, wenn er ein falsches Wort findet, kann natürlich nicht erkennen, in welchen Zusammenhang es steht, sogar die Bildsuchfunktion von Google ist gesperrt. Man kommt sich da etwas entmündigt vor. Als öffentliche Einrichtung muß die Bücherei eben laut Gesetz einen Filter verwenden. Die Internetnutzung in der Bücherei scheint darauf ausgerichtet zu sein, den User zum passiven Konsument zu machen, doch gerade von der interaktiven Nutzung lebt das Netz. Kann man wenig machen, allenfalls per Mail die Freischaltung bestimmter Seiten vorschlagen, man muß ja schon froh sein, das Indymedia aufrufbar ist, da wimmelt es ja geradezu von verbotenen Keyworten. Wie lachhaft das ist, sieht man daran, das die Kids statt in der Bücherei im Internetcafe abhängen, da können sie ungehindert Counterstrike spielen und unzüchtige :-)) Seiten besuchen.
Eine höhere Stufe bietet das Internetcafe, aber auch nicht jedes. Man muß sich schon das entsprechende Teil aussuchen, das Firefox bietet und wo man sogar eine CD einlegen kann. Das kostet zwar Geld, dafür hat man weitgehend unbegrenzten Zugang. Hier kann man sich Videos ansehen und anhören, wenn man so was braucht. Doch in erster Linie geht es darum, das man Bilder hochladen kann und an der eigenen Seite werkeln kann, soll heißen, man hat diese zweckmäßigerweise bereits am eigenen Rechner erstellt. Sonst könnt es etwas teuer werden, wenn man das auf den wenigen Anbietern erledigen will, die einen halbwegs nutzbaren Html Editor bieten. Bei einfachen Html Editoren ist es sinnvoll, wenn man die Seite bereits auf CD hat und nur noch in Html umschalten muß um sie dann ins Fenster zu ziehen. Html von Hand schreiben ist nichts für jeden, die ganzen Befehle können sich offenbar nur Spezialisten merken.
Doch auch hier gibt es Hindernisse. Oft genug findet man wenig brauchbare Programme, Wer ein Bild erstellen will, kann grad mal mit Paint eine einfache Kritzelgraphik reinhauen. Bilder müssen fürs Web bearbeitet werden und da bieten Internetcafes meist wenig Möglichkeiten. Daher ist es von Vorteil, wenn man das auf der eigenen Mühle erledigen kann und zudem einen Brenner hat. Um zu digitalisieren, sollt man wenigstens noch scannen können, denn draußen sind die Möglichkeiten etwas begrenzt. Der größte Teil der Möglichkeiten der Bildbearbeitung steht dir nur auf der eigenen Kiste zur Verfügung, im Cafe kannst allenfalls mit Paint invertieren plus ein paar weitere Kleinigkeiten. Trotz dieser Einschränkungen, das Wichtigste hast im Kopf. Eben deine Erfahrung als User, wie man die technischen Möglichkeiten nutzt und notfalls kreativ Einschränkungen umgeht. Erinnert mich an meine ersten tapsigen Gehversuche im Netz, als ich das Guestbook der Sinistra zum Forum umfunktionierte und mir da regelrechte Hassschlachten liefern konnte. Keinen Plan von der Technik, noch ungeübt auf den Tasten, nur Argumente und Inhalte stammten noch aus der Offlinewelt, mehr war nicht nötig.
Wie steht s mit downloaden und brennen? Runterladen kannst, ist aber witzlos, wenn man nicht brennen kann. Haben sich wohl einige danebenbenommen und nun bietet das Internetcafe keinen Brenner. Kennt man ja, einige benehmen sich daneben, der Rest bekommt die Fänge. Ok, USB Stick ist eine Alternative. Schon bemerkenswert, kost nicht viel, hat die Abmaße eines Feuerzeugs und damit kannst alles speichern was man so zum arbeiten braucht.
Internetcafes haben einen Vorteil, du siehst sofort was der Spaß kostet und wer schon mal Spam in der Mailbox gelöscht hat, kennt die Wut, die man bekommen kann. Da zahlst nur dafür, den Müll zu löschen. Das legt sich, wenn man gelernt hat, wie man die Filter in der Box benutzt und wenn man soweit ist, den Dreck mit einen Klick zu löschen oder das gleich dem Programm überlässt. Ok, jeder hat mal klein angefangen. Das Internet erleichtert einiges, schafft dafür neue Probleme, die man vorher nicht hatte. Ist wie heiraten, dann kannst zusammen Probleme lösen, die du allein nicht hattest.

Und von wem lassen sie ihre Seite bauen? Schaut man sich die ganzen Promipages so an, die hatten neben ihrer Haupttätigkeit auch noch Zeit und Kenntnis ne professionelle Seite zu bauen? Wer s glaubt. Wer mit dem Zeug nicht gerade groß geworden ist und es mühsam zu einer halbwegs brauchbaren Seite geschafft hat, weiß wie das lief. Da kannst zig Sachen falsch machen und bis man durchgestiegen ist, das kostet Zeit und Nerven. Machen die Promis so locker nebenher wenn sie ihre Fanpages basteln, man muß es echt bewundern. Die haben ihre bezahlten Profis dafür? Gemein, an sowas auch nur zu denken.
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Ergänzungen

naja?

ernie 19.04.2008 - 18:27
naja, ein bisschen eigeninitiative zum lernen musst du halt schon erwarten können. den inhalt kann sich mensch eigentlich recht einfach über openbooks, howtos und ergänzend in foren bzw. mailinglisten beschaffen. spezialisten können also viele werden, sehr wahrscheinlich aber alle die, welche es gern werden wollen.
programme wie genanntes 'paint', lassen sich durch weit bessere freie also mindestens open-source software ersetzen. wer es garnicht lassen kann besorgt die entsprechende warez, bleibt dabei aber natürlich ein abhängiger von proprietärer software.
an manchen stellen, wie z.b. dem eigentlichen zugang, also eine flatrate für jede, bleibt ganz sicher eine forderung, aber an den meisten stellen halte ich den obigen artikel für recht schnell geschossen, oder besser gesagt etwas oberflächig.

freie software  http://www.gnu.org/philosophy/free-sw.de.html
propritäre software  http://www.gnu.org/philosophy/categories.de.html#ProprietarySoftware

paint ersatz bsp.:
 http://www.koffice.org/krita/
 http://www.gimp.org/
oder reihenweise einfachere programme

Linux+co

linuxer 19.04.2008 - 19:16
es gibt auch etliche Linux-Distributionen, die auf einem USB-Stick/Laufwerk installiert werden können, so das man seine Software und Arbeitsumgebung immer dabei hat, und auf jedem Rechner (der von USB booten kann) benutzen kann, ohne auf diesem was zu installieren. Da wäre zB sidux (www.sidux.com) oder, extra auf Medienarbeit ausgelegt, dyne:bolic (dynebolic.org).

Erfahrungsbericht

saul 20.04.2008 - 16:13
"Du lässt Dir deine Brötchen ja auch vom Bäcker backen obwohl Du es mit Mühe auch selbst erlernen könntest. Wieso also nicht auch die Website vom Spezialisten?"
Weil es Geld kostet und das hat eben nicht jeder.

"programme wie genanntes 'paint', lassen sich durch weit bessere freie also mindestens open-source software ersetzen."
Weiß ich und auf der eigenen Kiste kann ich auch machen was ich will. Aber nicht unbedingt auf anderen Mühlen und in der Bücherei hast eben keine administrativen Zugriffe, da mußt dich mit dem was da ist zufrieden geben. Der Fehler ist, von sich auszugehen und das zu verallgemeinern. Was ich heut so locker mache war auch für mich früher n Buch mit 7 Siegel und auch heute gibt es viele die das nicht können, was fortgeschrittene User im Halbschlaf erledigen. Versetzen wir und daher mal in unsere Anfängerzeit. Dann wissn wir auch, wie es anderen geht.

du hast dich verrannt!

ernie 20.04.2008 - 21:20
"Der Fehler ist, von sich auszugehen und das zu verallgemeinern. Was ich heut so locker mache war auch für mich früher n Buch mit 7 Siegel"

es ist auch ein fehler zu glauben, jeder müsste jetzt mit einem computer vertraut werden. wer intresse dra n hat wird etwas dafür tun, und das ist bei weitem besser möglich als in vielen anderen bereichen.
dein beispiel bücherei lagt denn wohl auch an allen ecken. wer bastelt denn flyer berichte oder ähnliches in der bücherei? ich halte das für fahrlässig, und empfehle das ujz des vertrauens, oder noch besser hackcenter, die man natürlich auch in eigeninitiative aufbauen muss.
und nochmal, ich schraube verdammt ungerne an autos, darum kann ich das auch nicht, ebenso gehts mir mit diversen anderen handwerklichen tätigkeiten - aber ich mach das echt nicht am preis einer bohrmaschine fest oder irgendwelchen baumaterialien die mir fehlen.
ich bleib dabei, du hast dich verrannt.

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