Hochschulrat Münster unter Protest gewählt

Yellow Submarine 06.02.2008 23:20 Themen: Bildung
Am heutigen Mittwoch, den 6. Februar haben Studierende der Universität Münster vergeblich versucht, die Wahl eines Hochschulrates zu verhindern. Zwar musste die Sitzung des Senates auf Grund des Protestes unterbrochen werden, konnte jedoch an einem anderen Ort fortgesetzt werden. Dort wurde über den Hochschulrat unter Ausschluss der Öffentlichkeit und als Tischvorlage beschlossen.
Der AStA der Universität Münster hatte einen Schlagbaum aufgestellt und große Schilder mit der Aufschrift „Hier endet der demokratische Sektor“. Mit dieser symbolischen Aktion sollte die Einsetzung eines Hochschulrates und die undemokratische Vorgehensweise dabei kritisiert werden. Der Hochschulrat besteht in Münster aus drei internen Mitglieder (ProfessorInnen) und fünf Externen. In den meisten Hochschulräten sind Vertreter aus der Wirtschaft dominierend. Kritisiert wird jedoch nicht nur die Zusammensetzung, sondern auch die grundsätzlich undemokratische Umstrukturierung der Hochschulen. In Zukunft werden insbesondere Wirtschafts- und Hochschulentwicklungsplan, sowie RektorInnenwahl nicht mehr durch den Senat entschieden. Dabei besteht beispielsweise die Gefahr der Abwicklung von Fächern und Fachbereichen, in Münster die Soziologie, alleinig durch Hochschulrat und Rektorat. Das Mitspracherecht der Studierenden wird am stärksten Beschnitten, sie saßen nicht einmal im Auswahlgremium.

Nach dem öffentlichen Teil der Senatssitzung gaben die etwa 30 anwesenden Studierenden bekannt, sich für den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung nicht entfernen zu wollen, sondern über die Auswahl der Hochschulratsmitglieder mitdiskutieren zu wollen. Daraufhin musste die Sitzung unterbrochen werden und sollte in einem anderen Saal stattfinden. Eine mögliche Vertagung auf kommenden Freitag wurde angekündigt im Falle einer Beschlussunfähigkeit. Auf Grund der Unentschlossenheit der Studierenden wurde diese Sitzung nicht sofort gestürmt. Die Studierenden machten jedoch sehr lauten Krach im Flur, unternahmen dann doch einen Stürmungsversuch, der durch Verschließen der Türen vereitelt werden konnte. Der Lärm an der nun erreichbaren, jedoch abgeschlossenen Tür wurde nun den SenatorInnen und Senatoren so laut, dass die Polizei gerufen wurde. Außerdem unternahmen Senatsvorsitzender und Rektorin einen Versuch, die aufgebrachte Menge zu beruhigen. Ein verbaler Schlagabtausch folgte. Einige Argumente wurden ausgetauscht. Schließlich erteilte die Rektorin den protestierenden Studierenden Hausverbot und stellte eine Anzeige in Aussicht. Die bald darauf erschienene Polizei nahm von einigen Personen die Personalien auf.
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Ergänzungen

PM des AStA

Durito 07.02.2008 - 13:44
Hier die offizielle Mitteilung des AStA:

"07.02.08 -JR- Vergangene Nacht hat die Universität Münster den Hochschulrat eingesetzt. In das achtköpfige Gremium gewählt wurden:

Thomas Middelhoff (extern)
Jürgen Kaube (extern)
Johannes Georg Bednorz (extern)
Reinhard Kurth (extern)
Wulff Plinke (extern)
Barbara Stolberg-Rilinger (intern)
Hans-Uwe Erichsen (intern)
Gerhard Erker (intern)

Die Wahl fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die KandidatInnenliste wurde von einer Findungskommission erstellt. Trotz des Protestes von annähernd 30 Studierenden wurde die Sitzung weder vertagt, noch die Öffentlichkeit hergestellt.

Da der Senat beinahe sämtlichen bedeutende Entscheidungskompetenzen an den Hochschulrat abgibt, ist nun fraglich, wohin die Reise der Universität Münster nun gehen wird. Da die Kandidaten und die Kandidatin im Vorfeld nicht bekannt waren, konnte auch nicht über das Personal des Hochschulrates diskutiert werden. Die Studierenden, die dies einforderten, darunter bis zu zehn Mitglieder des Studierendenparlaments, AStA-Mitglieder und mehrere Fachschaftsmitglieder, waren von Beginn der Senatssitzung im Schloss anwesend bis die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden sollte. Als sich die Studierenden weigerten, den Raum zu verlassen, brach der Senatsvorsitzende die Sitzung ab, um sie im "Festsaal" (im Gebäude der Studienberatung) wieder zu eröffnen. Als die Studierenden versuchten dorthin zu gelangen, wurden sie von Mitarbeitern des Baudezernates der Universität daran gehindert, worauf sie gegen die Eingangstür klopften und lautstark Einlass und die Vertagung der Sitzung forderten.

Schließlich traten die Rektorin Ursula Nelles und der Senatsvorsitzende Jan-Bernd Oebbeke aus dem Saal und beschimpften die Studierenden. Sie fragten, was sie sich anmaßen wurden ein "derart barbarisches Verhalten" an den Tag zu legen. Sie sprachen den Studierenden ab, die Mehrheit zu vertreten, weil sie so wenige seien. Sie hätten ja genug Zeit gehabt, sich mit dem Thema Hochschulrat zu beschäftigen. Nach einer heftigen Diskussion darüber, ob eine Entscheidung von einer solchen Tragweite, wie die Hochschulratswahl, unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden solle oder nicht, zogen sich Rektorin und Senatsvorsitzender wieder in den Raum zurück; kurz darauf traf die Polizei ein.

Nach einem kurzen Gespräch mit dem neuen Kanzler der Universität, Herr Schwartze, setzten die PolizistInnen die noch anwesenden Studierenden fest und nahmen ihre Personalien auf. Danach baten sie die Studierenden "zu gehen". Was diese dann auch taten.

Die fünf externen Mitglieder des Hochschulrates und die drei ProfessorInnen könnten nun die Hochschulpolitik in Münster entscheidend prägen.

Für weitere Informationen über Hochschulräte gibt es in kürze auf dieser Webseite."

Quelle:  http://web.uni-muenster.de/AStA/index.php#08_02_07