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Luxemberg-Konferenz: Nicht radikal genug?

linkes Plauderstündchen 15.01.2007 00:03
Am Wochende fand die 12. Rosa Luxemburg Konferenz der linken Zeitung JUNGE WELT statt, ausgerechnet unter dem alten Motto der SPD:
Das geht anders!
Angereist war die gemäßigte "Linke": PDS, VERDI, Betriebsräte, Journalisten, Professoren. Dazu gab's ein bißchen Antifa, ein bißchen 3. Welt, ein bißchen Freiheit für Jamal und Freiheit für RAF-Christian Klar.
Arbeitslose waren wohl nicht vertreten, Arbeiter & kleine Angestellte ebenfalls nicht, doch die JUNGE WELT hat 1600 Eintrittskarten verkauft, 22 neue Abonnenten geködert und 6 eigene Genossenschaftsanteile verkloppt.
Ein Erfolg?
Wer die diesjährige Luxemburg Konferenz der JUNGEN WELT politisch einordnen will, der muß nur den Beitrag in der JUNGEN WELT vom 15. Jan. 07 über die Äußerungen des Chefs der Gewerkschaft der Polizei Freiberg - bestimmt kein Linker - auf dem DGB-Neujahrsempfang über die Ursachen der wachsenden Gewaltkriminalität im Land lesen.
Freiberg führt deren Ursachen auf die verschärfte soziale Ausgrenzung zurück und moniert, daß die Einkommen der abhängig Beschäftigten seit Ende der 90-er Jahre inflationsbereinigt um 6 % zurück gegangen seien, wären gleichzeitig die privaten Vermögen der Milliardäre und die Gehälter der Vorstände immer schneller wüchsen. Er mahnt, mit polizeilichen Mitteln sei das Problem - steigende wachsende Gewalt und verschärfte soziale Ausgrenzung - nicht zu lösen.

Gleichzeitig tagten auf der Roas Luxemburg Konferenz in Berlin "Linke" aus aller Welt und dazu auch noch sollche, die nur noch vorgaben "Linke" zu sein und ratschten ausgerechnet über die "Einheit der Linken". Von steigender Gewaltbereitschaft war im Gegensatz zum Proletariat beim linken Kleinbürgertum nichts zu spüren.

Das die Konferenz auch noch ausgerechnet in Berlin stattfand, wo seit etwa 5 Jahren ein - vorgeblich "linker" - rot/roter Senat aus SPD und PDS eine schwarze und asoziale Politik macht und der Partei PDS erst vor Monaten bei den Senatswahlen die Hälfte der Wähler davon gelaufen ist, gab der Konferenz erst recht eine eher peinliche Färbung.
Das auf dem Podium eine prominente Vertreterin dieser Partei PDS, Gesine Lötzsch MdB/PDS, trotzdem Platz nehmen dürfte und nicht sofort von wütenden Linken aus dem Saal gejagt wurde, zeigte schon das ganze moralische und kämpferische Elend dieser Ansammlung der "Linken".

Diese Ex-SED-Kommunistin Gesine Lötzsch war es auch, die eifrig Propaganda für die neue alte Partei PDS - Die Linke - und deren Ideologie machen dürfte und dann aus ihrem politischen Erfahrungs und Erkenntnisschatz plauderte.
Die Lötzsch deutete "linke" Politik als ein großes Ziel mit vielen klitzekleinen Schritten zu erreichen und erklärte es dann zum wichtigsten Ziel einer antikapitalistischen sozialistischen Partei, beileibe nicht den Kapitalismus abzuschaffen und den Sozialismus einzuführen, sondern für "soziale Gerechtigkeit" zu kämpfen.
Das erste hörte sich wie ein Sozialist in der SPD der 80-er Jahre des vorigen Jahrhunderts an, einer Partei, die damals von den Linken als "Schrittchen-Partei" verhöhnt und belächelt worden ist, und das zweite wie SPD-Kurt Beck des Jahres 07 im derzeitigen Jahrhundert.
Kein Wunder, daß in Berlin die Hälfte der PDS-Wähler bei der praktischen Umsetzung dieser "linken" Politik der Partei der Gysi, Lötzsch, Wolf & Co abgehauen sind.
Von den im Saal anwesenden "Linken" haute bei der Lötzsch-Rede allerdings keiner ab.
Wenigstens unterließ Gesine Lötzsch es auf der Luxemburg Konferenz diesmal, wie SPD-Beck von dem Millionenheer der Arbeitslosen erst mal "waschen & rasieren" zu fordern. Vor Wochen hatte sie allerdings noch zusammen mit Beck & BILD gegen den Wiesbadener Arbeitslosen Henrico Frank in den Medien gepöbelt.
Mit sollch einer "Linken" wie der Lötzsch disputierten die anderen anwesenden "Linken" auf der Luxemburg Konfernez dann brav über die "Einheit der Linken", die sich für die Lötzsch natürlich nur als Mitgliedschaft oder wenigstens Wahl und Unterstützung der Partei "Die Linke" darstellt.

Dann überlegte ein ehemaliger Siemens-Betriebsrat, Leo Mayer (DKP), lange und laut über das angebliche Hauptproblem der Linken, die Machtfrage nach, welche - für ihn - die Eigentumfrage war. Zu einem Ergebnis kam er zwar nicht, aber wenigstens zu der richtigen Erkenntnis, daß "ein erheblicher Schub Radikalität" nötig sei. Das er diesen Schub allerdings ausgerechnet von den DGB-Gewerkschaften und der Lötzsch-Linkspartei namentlich einforderte, war dann wieder sehr naiv für einen Marxisten-Leninisten.

Dann kam Andra Schuhmann von der antifaschistischen Linken ALB dran.
Sie klagte zu Recht über die asoziale Politik des Berliner SPD/PDS-Senates und daß die außerparlamentarsichen Bewegungen die PDS nur noch als "Gegner" wahrnehmen würden. Sehr richtig alles, nur warum setzt sie sich dann mit diesem Gegner an einen Podiumtisch und fordert nicht den sofortigen Ausschluß dieses Gegners - Sabine Lötzsch & Co - aus der Versammlung der anwesenden "Linken"!
Die "Einheit der Linken" - selbst wenn dies nur mit dem Gegner war - war ihr doch scheins wichtiger als linke Klarheit.

Dann kam ein Klaus Steiniger von der Postille Rotfuchs dran. Auch er bekennt sich stramm zur "Einheit der Linken" und lobt seinen Rotfuchs (angeblich 18.000 - nicht Abonnenten - aber Leser).

Auch der Berliner Professor Grottian war anwesend und stellte ernüchtert über die anwesenden "Linken" fest: Uns Linken fehlt die Radikalität!
Wo ein Professor recht hat, hat er recht, doch dann fing Grottian an von "Erfolgen" zu schwatzen - Aufbau der Linkspartei, Auseinandersetzung um soziale Gerechtigkeit, Montagsdemos -, die nur leider keine politischen Veränderungen gebracht hätten.
Die Radikalität war wieder weg, und Lötzsch & Linkspartei blieben im Saal und auf dem Podium.

Dann kam auch noch richtiger Gewerkschaftsbonze, ein VERDI-Geschäftsführer, Hermann Schaus, zu Wort und der vermeldete zum Thema "Einheit der Linken": Zwischen Gewerkschaftern und Studenten tut sich was!

Die Rest-Konferenz der Luxemburger Linken war das übliche internationale linke Pflichtprogramm.

Während der Chef der Polizeigewerkschaft Konrad Freiberg eine wachsende kriminelle Gewaltbereitschaft im Land feststellt, die ihre Ursachen in der sozialen Ausgrenzung und der ungleichen Vermögens- und Einkommensverteilung hat, ist bei den versammelten "Linken" der Rosa Luxemburg Konferenz keine verstärkte Neigung zu einer politisch motivierten Gewaltbereitschaft festzustellen, die ihre Ursache in den sozialen und politischen Verhältnissen im Land hat.
Während also die Kripo in der BRD Überstunden machen muß, kann der Staatschutz weiter ruhig schlafen. Während die Kriminellen aus dem Proletariat aus sozialen Gründen verstärkt die Gewaltfrage stellen zu müssen glauben, parlieren die "Linken" des hauptamtlichen und politischen Kleinbürgertums brav über die "Einheit der Linken".
Und lösen weiter brav ne Bahnsteigkarte, anstatt den ganzen Bahnhof zu besetzen.

Zwar erkannte schon Lenin vor 100 Jahren, daß politische Klarheit in den Zielen und Methoden wichtiger ist als eine vergrößerte aber schwammige Einheit, doch die versammelten "Linken" beim Luxemburg Forum der JUNGEN WELT ringen um die organisatorische Vereinigung aller Luxemburg Linken in der Vielfalt: von Schrittchen um Schrittchen bis ganz radikal!
Viel Vergnügen bei der anstehenden Diskussions- und Programmarbeit, Luxemburger Linke!
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Ergänzungen

Presseartikel-Links

<<*>> 15.01.2007 - 13:37
Hier mal Links der "jungen Welt" zur Rosa-Luxemburg-Konferenz und zur LL-Demo:

LL-Demo:  http://www.jungewelt.de/2007/01-15/056.php

Beiträge zur Luxemburg-Konferenz:  http://www.jungewelt.de/2007/01-15/048.php und  http://www.jungewelt.de/2007/01-15/046.php

Grusswort von Christian Klar:  http://www.jungewelt.de/2007/01-15/039.php

Artikel zu Ortegi:  http://www.jungewelt.de/2007/01-15/057.php

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boah — Fred Feuerstein

ich verstehe nicht, — Bernd Kudanek alias bjk