Verschulden auf Lebenszeit
Angesichts der extremen Preise für Wohnungen in Spanien, bieten Banken nun extrem lange Laufzeiten an, damit die Raten noch bezahlbar sind. Ein gefährliches Treiben, das die baskische Sparkasse BBK nun ausgeweitet hat. Die bietet nun Kredite zum Wohnungskauf mit einer Laufzeit von 50 Jahren an. Die BBK steigt damit in den Wettkampf mit einem noch krasseren Angebot ein. Andere Großbanken und Sparkassen hatten schon Angebote mit einer Laufzeit über 40 Jahre im Programm. Junge Leute sollen sich so auf Lebenszeit verschulden, um an eine Wohnung zu kommen und den Kreditinstituten dauerhaft Gewinne sichern.
Die Banken reagieren damit auf die Situation vor allem vieler junger Menschen, die angesichts ihres Einkommens und hoher Wohnungspreise sonst keinerlei Aussicht haben, eine eigene Wohnung zu bekommen. Wegen der massiven Spekulation mit Wohnungen hat sich eine enorme Immobilienblase gebildet. Dass eine die Spekulation die Preise hochtreibt, zeigt sich auch daran, dass die Preise trotz des enorm steigenden Angebots immer weiter steigen. Im letzten Jahr wurden im spanischen Staat fast 740.000 Wohnungen gebaut, das war ein neuer Rekord und es waren mehr als in Deutschland, Frankreich und England zusammen. Traditionell wird hier eher gekauft statt gemietet. Die Wohnungspreise haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt und in den letzen 20 Jahren fast verdreifacht. Im Verhältnis zum Lohn zeigt sich noch deutlicher, wie sich die Schere geöffnet hat. Zwischen 1987 und 2004 sind die Wohnungspreise 14 Mal stärker gestiegen als die Löhne. Die Tendenz ist ungebrochen, wobei sich die Regierung schon darüber freut, dass sich der Preisanstieg abschwächt.
http://de.indymedia.org//2005/07/123623.shtml Nach vorläufigen Zahlen stiegen die Preise 2005 nur noch um etwa 12 %. 2004 waren es noch 14 %.
Dazu kommt, dass immer mehr Menschen, vor allem junge, von prekären Arbeitsbedingungen betroffen sind. Spanier unter 25 Jahren sind auch nach offiziellen Angaben mit knapp 20 Prozent überdurchschnittlich stark von Arbeitslosigkeit betroffen. Doch trübe sieht es auch für die aus, die einen Job haben. Die Löhne sind niedrig, der gesetzliche Mindestlohn wurde gerade auf 541 Euro erhöht und liegt weiter unter der Armutsgrenze. Nur wenige junge Menschen haben eine feste Stelle. Knapp 35 Prozent aller bestehenden Verträge sind schon befristet, manchmal sogar nur für Stunden. Nur noch etwa sieben Prozent aller Verträge werden unbefristet geschlossen.
http://www.ugt.es/comunicados/2005/agosto/compre09082005.pdf
Die Situation wird durch zwei Faktoren verschlimmert: Da ist die extreme Verschuldung der Familien, die derartige Ausmaße angenommen hat, dass alle bedeutenden Finanzorganisationen weltweit vor den Gefahren warnen, die daraus entstehen, dass diese Verschuldung inzwischen 75 % des jährlichen Bruttoinlandsprodukts des Landes übersteigt. (Vergleiche auch
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21107/1.html)
Dabei ist nicht die Rekordsumme entscheidend. Das Problem liegt vor allem darin, dass die Hypothekenkredite, die den Hauptanteil der Verschuldung ausmachen, fast ausschließlich mit variablen Zinsen vergeben werden. Die Banken binden den Zins an den Euribor und geben damit das Risiko vollständig an die Konsumenten weiter. Der Euribor ist der Zinssatz, den europäische Banken beim Handel mit Einlagen untereinander verlangen. Dort hatte es schon Zinserhöhungen ergeben, obwohl die Europäische Zentralbank die Leitzinsen nicht anhob. Der Euribor hat mit knapp 2,8 % einen neuen Höchststand seit drei Jahren erreicht. Die Anhebung der Leitzinsen durch die Zentralbank im Dezember erhöht den Druck auf den Euribor und damit die völlig verschuldeten Familien immer stärker.
Hier liegt das Problem und es ist unwichtig, ob die Banken die Laufzeit der Kredite verlängern. Das ist eine Falle, aber gleichzeitig der Ausdruck davon, dass das Kreditgeschäft ausgereizt ist. Den Käufern wird damit vorgegaukelt, die Raten seien trotz hoher Preise bezahlbar. Doch ein weiterer Zinsanstieg, womit alle Experten rechnen, bringt dieses Modell zu Fall. Die Hypothekenvereinigung (AHE), hat gerade vorrechnet, dass sich die Zinslast für den Durchschnittskredit -120.000 Euro mit einer Laufzeit von 20 Jahren, in den nächsten 24 Monaten um 1250 Euro pro Jahr erhöhen wird. Die AHE, in der Banken und Sparkassen vereinigt sind, schließt aber auch eine Erhöhung der Last um 2500 Euro nicht aus. Bei derart langen Laufzeiten ist sogar eine Verdoppelung des Euribors wahrscheinlich. Vielleicht erinnern sich einige noch an die Hochzinsphase in den 80er Jahren.
Um den Gefahren zu begegnen, hatte sogar der konservative IWF der spanischen Regierung schon 2004 dringend geraten, die Kreditvergabe stärker zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass die Kredite mit festen Zinssätzen vergeben werden, wie es in Frankreich oder Deutschland üblich ist.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18406/1.html Schon damals hatte sogar der IWF schon vor der „Überbewertung“ der Immobilien und einer „plötzlichen Korrektur“ gewarnt. Eine platzende Immobilienblase würde die gesamte spanische Ökonomie versenken, deren Hauptstütze die Baubranche ist. Auch die sozialistische Regierung hat bisher nichts dagegen unternommen und schaut bei dem gefährlichen Kreditspiel weiter zu.
© Ralf Streck, Donostia-San Sebastián den 12.01.2006
http://de.indymedia.org//2005/07/123623.shtml Nach vorläufigen Zahlen stiegen die Preise 2005 nur noch um etwa 12 %. 2004 waren es noch 14 %. Dazu kommt, dass immer mehr Menschen, vor allem junge, von prekären Arbeitsbedingungen betroffen sind. Spanier unter 25 Jahren sind auch nach offiziellen Angaben mit knapp 20 Prozent überdurchschnittlich stark von Arbeitslosigkeit betroffen. Doch trübe sieht es auch für die aus, die einen Job haben. Die Löhne sind niedrig, der gesetzliche Mindestlohn wurde gerade auf 541 Euro erhöht und liegt weiter unter der Armutsgrenze. Nur wenige junge Menschen haben eine feste Stelle. Knapp 35 Prozent aller bestehenden Verträge sind schon befristet, manchmal sogar nur für Stunden. Nur noch etwa sieben Prozent aller Verträge werden unbefristet geschlossen.
http://www.ugt.es/comunicados/2005/agosto/compre09082005.pdf Die Situation wird durch zwei Faktoren verschlimmert: Da ist die extreme Verschuldung der Familien, die derartige Ausmaße angenommen hat, dass alle bedeutenden Finanzorganisationen weltweit vor den Gefahren warnen, die daraus entstehen, dass diese Verschuldung inzwischen 75 % des jährlichen Bruttoinlandsprodukts des Landes übersteigt. (Vergleiche auch
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21107/1.html) Dabei ist nicht die Rekordsumme entscheidend. Das Problem liegt vor allem darin, dass die Hypothekenkredite, die den Hauptanteil der Verschuldung ausmachen, fast ausschließlich mit variablen Zinsen vergeben werden. Die Banken binden den Zins an den Euribor und geben damit das Risiko vollständig an die Konsumenten weiter. Der Euribor ist der Zinssatz, den europäische Banken beim Handel mit Einlagen untereinander verlangen. Dort hatte es schon Zinserhöhungen ergeben, obwohl die Europäische Zentralbank die Leitzinsen nicht anhob. Der Euribor hat mit knapp 2,8 % einen neuen Höchststand seit drei Jahren erreicht. Die Anhebung der Leitzinsen durch die Zentralbank im Dezember erhöht den Druck auf den Euribor und damit die völlig verschuldeten Familien immer stärker.
Hier liegt das Problem und es ist unwichtig, ob die Banken die Laufzeit der Kredite verlängern. Das ist eine Falle, aber gleichzeitig der Ausdruck davon, dass das Kreditgeschäft ausgereizt ist. Den Käufern wird damit vorgegaukelt, die Raten seien trotz hoher Preise bezahlbar. Doch ein weiterer Zinsanstieg, womit alle Experten rechnen, bringt dieses Modell zu Fall. Die Hypothekenvereinigung (AHE), hat gerade vorrechnet, dass sich die Zinslast für den Durchschnittskredit -120.000 Euro mit einer Laufzeit von 20 Jahren, in den nächsten 24 Monaten um 1250 Euro pro Jahr erhöhen wird. Die AHE, in der Banken und Sparkassen vereinigt sind, schließt aber auch eine Erhöhung der Last um 2500 Euro nicht aus. Bei derart langen Laufzeiten ist sogar eine Verdoppelung des Euribors wahrscheinlich. Vielleicht erinnern sich einige noch an die Hochzinsphase in den 80er Jahren.
Um den Gefahren zu begegnen, hatte sogar der konservative IWF der spanischen Regierung schon 2004 dringend geraten, die Kreditvergabe stärker zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass die Kredite mit festen Zinssätzen vergeben werden, wie es in Frankreich oder Deutschland üblich ist.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18406/1.html Schon damals hatte sogar der IWF schon vor der „Überbewertung“ der Immobilien und einer „plötzlichen Korrektur“ gewarnt. Eine platzende Immobilienblase würde die gesamte spanische Ökonomie versenken, deren Hauptstütze die Baubranche ist. Auch die sozialistische Regierung hat bisher nichts dagegen unternommen und schaut bei dem gefährlichen Kreditspiel weiter zu. © Ralf Streck, Donostia-San Sebastián den 12.01.2006
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Ergänzungen