Kreuzberg: Mieter protestieren gegen Vertreibung

FotoFixx 29.01.2004 16:13 Themen: Globalisierung Soziale Kämpfe
Im Zuge der Privatisierungswelle verkaufen Berlins gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften auf Anweisung des rot-roten Senats ihre Häuser. Ganze Strassenzüge stehen zum Verkauf. Viele Wohnungen werden nach Luxusmodernisierung in Eigentumswohnungen umgewandelt. Im Zuge der Umstrukturierung des Kreuzberger Kiezes in luxeriöse Wohnquatiere für die Mediaspree-Yuppies sind die Leute hier besonders betroffen. Im Waldemarkiez sind bereits mehrere Häuser verkauft worden. Mieter sind fristlos gekündigt worden oder konnten dem Druck nicht standhalten. Alteingessene Kiezläden wie RADLUST sind seit Kurzem draussen.
Bislang wehrt sich in Berlin kaum jemand dagegen. Zahlreiche Mieter im Waldemarkiez lassen dagegen seit einigen Tagen die Strassezüge Trauer tragen. Hier einige Eindrücke aus Kreuzberg.
Die neueste antisoziale Offensive des SPDS-Senats zeigt sehr anschaulich, wie Neoliberalismus und Gentrifizierung als Auswirkungen zusammen besonders verheerend wirken:

Gentrifikation bezeichnet eigentlich "nur" eine Eigendynamik von Marktprozessen, in deren Verlauf in einem Kiez oder Stadtteil die Bevölkerung ausgewechselt wird.
Beispiel: Zuerst entdecken sogenannte "Pioniere" einen (heruntergekommenen) Kiez und siedeln in dortigen Freiräumen. Meist handelt es sich dabei um Alternative, Hausbesetzer usw. Später kommen immer mehr Künstler, Studenten und all jene, die einen Alternativ-Bezirk schick finden. Nach ihnen kommen Pseudo-Künstler, Yuppies und so weiter. Mit jeder neuen Welle steigen die Preise, werden länger Wohnende vertrieben. Irgendwann unterscheidet soch der Kiez dann nicht mehr von den wohlhabenden Stadtteilen. Die Politik treibt die Gentrifizierung teilweise geziehlt voran und nutzt dazu auch den Repressionsapparat. Publikatioen zum Thema Gentrifizierung: Gentrification - Überblick

Neoliberalismus ist ein eigentlich ziemlich schwammiger Begriff, welcher bestimmte politische Programme und Ideologien umfasst. Siehe dazu: Begriff Neoliberalismus bei Wikipedia.
Ein neoliberales Handelsabkommen ist das GATS-Abkommen (General Agreement on Trade in Services). GATS ist ein Abkommen der Mitgliedstaaten der WTO zur "Liberalisierung des Dienstleistungssektors". Unter anderem beinhaltet GATS die Privaitisierung sämtlicher öffentlicher Güter und Services. Wasser, Strom, Bildung, Arbeitsämter, Post... alles wird privatisiert. Durch die Privatisierung findet zugleich Abbau, Verschlechterung und Verteuerung der öffentlichen Güter statt. Ärmere Bevölkerungsschichten werden teilweise ganz ausgeschlossen. So erklärte Berlins Finanzsenator kürzlich nach der Abschaffung der Sozialtickets bei der Bahn, daß ärmere Menschen auch alle Entfernungen künftig zu Fuß zurücklegen könnten.
Mehr zu GATS bei Gats.de
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Ergänzungen

Der Widerstand haette eher Beginnen muessen

Anwohnerin 29.01.2004 - 18:06
Mit dem Einzug der Cocktailbardeppen Scene findet schon seit Jahren eine
Aufwertung dieser Gegend statt. Vermutlich haben die KreuzbergerInnen
einfach kein Unbehagen bei Entwicklungen wie grade am Schlesischen Tor.
Bleibt zu hoffen, das der Bau des groessenwahnsinnigen Luxusviertels zwischen Ostbahnhof und Warschauer viele Bonzen wieder abzieht.

Buctipp

reader 29.01.2004 - 19:46
Das Buch ist der bisher umfassendste Rezeptionsversuch von Gentrificationtheorie in der bundesdeutschen Debatte. Es geht nicht nur um Ursache, Verlauf und Wirkung der Prozesse, sondern um die Einordnung des Ansatzes in (sozialökologische) Theorien des Nachbarschaftswandels und Handlungstheorien. In den einzelnen Aufsätzen werden Anschlußtheorien und empirische Modelle vorgestellt, die am Beispiel einzelner Viertel zeigen, wie Gentrification untersucht werden kann. Daneben wird auch die Übertragbarkeit des Modells und die Anwendbarkeit der bisherigen Methoden auf Stadtentwicklungsprozesse ostdeutscher Städte diskutiert ? ein klares Ergebnis jedoch wird nicht formuliert. Insgesamt bietet das Buch ? gerade durch die breitgefächerten Themensetzungen der einzelnen Beiträge ? viele Anregungen für eine (auch empirische) Weiterbeschäftigung mit dem Thema.

Friedrichs, Jürgen / Kecskes, Robert (Hrsg.) 1996: Gentrification: Theorie und Forschungsergebnisse. Opladen: Leske + Budrich

Die Zerstörung der Städte

Metro Polis 29.01.2004 - 20:52
heute jung, flexibel und gut bezahlt - morgen älter, unflexibler und gar nicht oder schlecht bezahlt -
"Stadtplanung" und "Bevölkerungspolitik" mit der Keule auf dem Reißbrett.
Das "Neue Berlin" wurde übrigens schon 1936 in Berlin geplant.
Welche Weltbilder - welche Umsetzung!
Homelands für alle, die aus der Altersgruppe und dem Einkommensmuster
fallen.
Welch eine Planung und was für Profitspannen.



Kleine frage...

Max 29.01.2004 - 21:54
...stürtzt das ach so große berlin immer weider ab ?
Ich hab so den eindruck... Gibt dafür eigentlich n mittel gegen die schlafkrankheit der Linken ? Sind wir nur noch ne handvoll leude in deutschland die n bisschen mehr wollen als nur Roboten ?
Traurich

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Yuppiiesierung?? — Warhead

Feinbild "Yuppie" — The great GATSby

@Punk — Warhead

spray it! — typpie

warum — schwarz

hetze ist angesagt — berliner

Nein... — Warhead

ach... — Warhead